Mit Ayurveda durchs Jahr. Wie du die Kraft der Jahreszeiten für dich nutzen kannst.

Alle, Ayurveda | 29. August 2022

Vielleicht hast du es auch schon gespürt.

Wir leben in befestigten Häusern, fliegen um die Welt, bewegen uns in virtuellen Räumen und fühlen uns dadurch oft von der Natur abgeschnitten. Wenn dann die Erschöpfung kommt, suchen wir Erholung in der Natur,  streifen durch die Wälder, klettern auf Berge oder schwimmen in glasklaren Seen und spüren: Wir sind ein Teil der Natur und werden es immer sein.

Wie die Chronobiologie mittlerweile bewiesen hat, werden wir von unterschiedlichen natürlichen Rhythmen beeinflusst, denen wir uns nicht entziehen können, wie dem zirkadianen Rhythmus von ca. 24 Stunden, dem Zyklus der Frau, dem Lebenszyklus oder dem Jahreszyklus.

Auch wenn wir es vielleicht noch so sehr wollen. Wir funktionieren nicht immer gleich. Unser Energielevel, unsere Bedürfnisse und Wünsche wandeln sich mit diesen natürlichen Rhythmen. Nun gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie wir auf diese Tatsache reagieren: Wir können auf den Wellen des Lebens reiten oder sie ignorieren. 

Sie zu ignorieren kann weitreichende Folgen haben: Stimmungsschwankungen, ein unregelmäßiger Stoffwechsel und ein niedriges Energielevel machen uns dann das Leben schwer. Fließen wir aber mit den Rhythmen des Lebens, fühlen wir uns viel gesünder und ausgeglichener.


Der Ayurveda als Lehre vom gesunden Leben

Die drei Doshas im Jahreskreis

Der Ayurveda, eine alte ganzheitliche Gesundheitslehre, spricht davon, dass es eine Notwendigkeit für einen gesunden Körper, Geist und Seele ist, ein Gleichgewicht mit den äußeren Rhythmen der Natur herzustellen. Dieses Gleichgewicht können wir durch saisonale und regionale Lebensmittel und jahreszeitlich angepasstes Verhalten erreichen.

Der Ayurveda schenkt uns als kleine Hilfestellung das Prinzip der 3 Doshas: Vata, Pitta und Kapha. (Näheres zu den Doshas erfährst du in diesem Blog Artikel.)

Jedes der 3 Doshas hat zu einer bestimmten Jahreszeit Hochkonjunktur.

Herbst und Frühwinter - Vata Zeit

Das Vata Dosha setzt sich aus den Elementen Luft und Äther zusammen und steht für trocken, windig, kühl und dynamisch. Die Jahreszeiten Herbst und Frühwinter sind besonders von diesem Dosha geprägt. Daher ist es in dieser Zeit wichtig Erdung und Wärme in deinen Alltag zu bringen

Spätwinter und Frühling - Kapha Zeit

Das Kapha Dosha besteht aus den Elementen Erde und Wasser. Es steht für Stabilität, Formgebung, Struktur, Schwere und Langsamkeit. Es löst im Spätwinter das Vata Dosha ab und entfaltet sich im Frühling mit voller Kraft. Frühjahrsmüdigkeit und das Bedürfnis, im Frühling den Körper zu reinigen, entstehen durch das dominante Kapha Dosha.

Frühsommer und Spätsommer - Pitta Zeit

Die sommerliche Jahreszeit ist vor allem durch das Pitta Dosha geprägt. Das Pitta Dosha besteht aus den Elementen Feuer und Wasser und steht für feurig, leidenschaftlich, transformativ und heiß. Es steigt während der Sommermonate deutlich an und wird erst im Laufe des Herbstes wieder vom Vata Dosha verdrängt.

3 Tipps für ein natürlich kraftvolles Leben

Der Ayurveda im Jahreskreis

Nun weißt du, welches Dosha zu welcher Jahreszeit besonders dominant ist. Doch wie kannst du dieses Wissen für dich nutzen? 

Keine Sorge, es geht nicht darum, dein gesamtes Leben umzukrempeln. Du kannst ganz einfach deinen natürlichen Rhythmus finden, indem du meine 3 Tipps beherzigst und vor allem, indem du in die Natur gehst und spürst, was dir guttut.

Tipp Nr. 1: Ernähre dich der Jahreszeit entsprechend

Der Ayurveda hat klare Ernährungsempfehlungen für jede Jahreszeit für dich parat. Diese sind gar nicht schwierig zu beherzigen, denn es geht vor allem darum, saisonal zu essen. Also nicht im Winter Erdbeeren oder Wassermelone zu verzehren. Denn bestimmt hast du auch schon bemerkt, dass eine solche Ernährung deiner Verdauung nicht guttut.

Ernährungstipps für Herbst und Frühwinter

Noch gibt es tolle saisonale und regionale Gemüse wie Rote Rüben, Karotten, Sellerie, Kohlgemüse, Kürbis und Zucchini. Diese Gemüsesorten bringen Erdung in dein System, da durch den süßen Geschmack das Vata Dosha reduziert wird. Gönne dir also köstliche Wurzelgemüseeintöpfe, Kürbissuppe und Gemüsecurry mit vielen wärmenden Gewürzen wie Zimt, Pfeffer und Nelken.

Frische Früchte wie Äpfel und Trauben als warmes Kompott genossen, am Besten noch zusammen mit einem süßen Zimt-Milchreis, wärmen und stärken dich von Innen. Der Ayurveda empfiehlt in dieser Jahreszeit auch Milchprodukte, natürlich nur von bester Bio-Qualität, da sie eine stärkende Wirkung haben. Getreide- oder Nussmilch ist aber auch wunderbar geeignet.

Minimiere Rohkost und greife lieber auf sanft gegarte Lebensmittel zurück. Rohkost ist energetisch kühl und belastet in der von Vata dominierten Zeit die Verdauung ganz besonders. Blähungen, Energielosigkeit und auch ein Gefühl der inneren Kälte können die Folge sein.

Ingwerwasser über den Tag verteilt getrunken, wärmt dich von innen und unterstützt dein Immunsystem. Einfach etwas geschälten und zerkleinerten Ingwer mit heißem Wasser übergießen, noch ein paar Gewürze dazu (wenn du magst), wie zum Beispiel Kurkuma, schwarzer Pfeffer oder Zimt und schon hast du einen tollen Immunbooster, der auch noch deine Verdauung unterstützt.

Ernährungstipps für Spätwinter und Frühling

Im Spätwinter kannst du dich noch mit Eintöpfen und Suppen aus Wurzelgemüse nähren, bis dann endlich wieder frische Kräuter und Gemüse auf den heimischen Feldern und Wiesen sprießen. Dann ist es Zeit, reinigende und entschlackende Gemüse wie Radieschen, Rettich oder Topinambur zu dir zu nehmen. Scharfe Gewürze wie Ingwer, Chili und schwarzer Pfeffer reduzieren Kapha und haben eine reinigende Wirkung.

Bittere Gemüse und Kräuter in Suppen und Salaten sind eine tolle Möglichkeit, um die Trägheit des Winters hinter dir zu lassen. Vielleicht möchtest du ja an einer Kräuterwanderung teilnehmen und dann selbst auf die Suche nach gesunden Wildkräuter voller Vitamine und Mineralstoffe gehen. Das ist eine schöne Möglichkeit, um wieder in Kontakt mit der Natur zu kommen.

Der Frühling ist auch die beste Zeit für eine Fastenkur. Viele Ayurveda Experten bieten mittlerweile geführte Fastenkuren online oder offline an. Das bevorzugte Gericht während einer Ayurveda Detox Kur ist das Kitchari, bestehend aus Basmati-Reis, Mungbohnen und ganz vielen Gewürzen.

Ernährungstipps für Frühsommer und Spätsommer

Endlich wieder Zeit für Rohkost. Wenn dir der frische Salat in den letzten Monaten etwas gefehlt hat, dann kannst du ihn nun wieder nach Herzenslust genießen. Aber Vorsicht, auch in der Pitta Zeit solltest du es mit der Rohkost nicht übertreiben, falls dein Verdauungsfeuer (Agni) eher schwach ist und du dich danach unwohl fühlst. Höre also auch hier sehr gut auf deinen Körper.

Kühlende Lebensmittel wie frische Früchte, süße Beeren, Gurken und Melonen tun dir jetzt gut. Frische Kräuter gibt es nun in Hülle und Fülle, auch sie haben eine kühlende Wirkung und unterstützen deine Verdauungskraft.

Leichte Suppen mit Paprika, Mangold oder Spinat und frische Linsengerichte sind nicht zu schwer und schenken dir ein wohliges Bauchgefühl. Würze deine Speisen mit Kreuzkümmel, Anis, Ingwer und Kurkuma, auch damit stärkst du deine Verdauungskraft.

Auch wenn du im Sommer bisher immer auf eisgekühlte Getränke zurückgegriffen hast, kannst du heuer probieren, ob dir ein lauwarmer Minztee mit Süßholz nicht besser bekommt. Eisgekühlte Flüssigkeiten kühlen dich so stark ab, dass auch dein Verdauungsfeuer nicht mehr richtig arbeiten kann und so Ama entsteht. Mit Ama werden im Ayurveda unverdaute Stoffwechselrückstände bezeichnet, die sich im Körper ablagern und zu Erkrankungen führen können.

Tipp Nr. 2: Gönne dir regelmäßige Wohlfühlrituale

Im Ayurveda spielt nicht nur die Ernährung eine große Rolle sondern auch die Lebensführung. Du kennst das bestimmt: auch wenn du dich noch so ausgewogen und gesund ernährst, ist dein Leben voller Stress und Drama, fühlst du dich trotzdem nicht gesund und ausgeglichen.

Daher ist es umso wichtiger, dir Ruhepausen und Wohlfühlmomente zu schenken, die zu den jeweiligen Jahreszeiten passen.

Wohlfühlritual für Herbst und Frühwinter

Die Vata Zeit ist geprägt von Trockenheit, Wind und Kälte. Daher ist es in dieser Zeit besonders wichtig, deinen Körper mit hochwertigen Ölen und viel Liebe zu versorgen.

Gerade in der nebeligen Zeit des Jahres, ist eine Fußmassage mit Johanniskrautöl besonders wohltuend. Das Johanniskraut wird auch als Sonnenpflanze bezeichnet. Sie bringt die Wärme und das Licht des Sommers in dein Herz und pflegt zusätzlich deine Füße. Um abends besonders gut schlafen zu können, kannst du deinem Johanniskrautöl auch ein paar Tropen ätherisches Lavendelöl beigeben.

Fußmassage mit Johannskrautöl

Bringe etwas Johanniskrautöl im Wasserbad auf eine angenehme Temperatur und massiere deine Füße vor dem Schlafen gehen mit diesem wunderbaren Öl. Aber Achtung, das Öl kann Flecken hinterlassen! Ziehe dir warme Socken an und kuschle dich danach mit einer Tasse Tee in dein Bett. Das Öl schenkt dir Entspannung und Ausgeglichenheit.

Wohlfühlritual für Spätwinter und Frühling

Wenn das Kapha Dosha vorherrscht, ist es an der Zeit zu entschlacken und dich von der Schwere des Winters zu befreien. Im Ayurveda wird im Frühling, zur Unterstützung der Entgiftung, gerne die Garshan Massage, eine Trockenmassage, angewandt.

Du kannst diese Massage auch ganz einfach selber machen. Sie entgiftet, kräftigt das Bindegewebe und stimuliert den Stoffwechsel. Solltest du an Hautentzündungen oder offenen Wunden leiden, spare diese Stellen während der Massage  aus.

Garshan Massage

Du benötigst einen Rohseidenhandschuh und etwas Zeit am Morgen (die Massage ist eher aktivierend, daher mach sie besser nicht am Abend)

Beginne die trockene Haut mit dem Handschuh ganz langsam und mit leichtem Druck zu massieren. Deine Extremitäten kannst du mit streichenden Bewegungen in Herzrichtung massieren. Deine Gelenke, Bauch, Brustbereich, Rücken und Gesäß massierst du am besten mit kreisenden Bewegungen. Nach der Massage kannst du duschen und dich einölen, falls du das Bedürfnis danach hast.

Wohlfühlritual für den Sommer

Der Sommer eignet sich großartig, um eine Morgenroutine zu etablieren. Der Ayurveda empfiehlt eine tägliche Morgenroutine, um Giftstoffe und Stoffwechselrückstände, die sich während der Nacht angesammelt haben, zu entfernen. Du kannst deine Morgenroutine ganz individuell gestalten.

Bestandteile deiner Morgenroutine können sein

ayurvedischen Reinigungstechniken wie Ölziehen, Zunge schaben und ganz viel warmes Wasser trinken, um deinen Körper von Verdauungsrückständen zu befreien und dein Agni zu aktivieren.

Yoga, Atemübungen und Meditation, um deinen Körper und Geist zu aktivieren und auf den kommenden Tag vorzubereiten

Journaling, um eine Intention für den kommenden Tag zu setzen und dich zu fokussieren

Tipp Nr. 3: Feiere die Jahreskreisfeste

Das Feiern der Jahreskreisfeste erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Aus gutem Grund. In unserer schnelllebigen Zeit benötigen wir Fixpunkte im Jahr, die uns eine Richtung vorgeben und uns Klarheit und Fokus schenken.

Die Jahreskreisfeste helfen dir dabei, Erdung und Struktur in dein Leben zu bringen und deinem Jahr eine klare Richtung zu geben. Du kannst gemeinsam mit einer Gruppe oder alleine feiern, wie es für dich passt. Wichtig ist nur, dass du erforschst, was das Jahreskreisfest für dich bedeutet und wie du es in dein Leben integrieren willst.

Das Jahr beginnt traditioneller Weise mit Samhain, das zum Neumond im November gefeiert wird. Dieses Fest wird auch als Toten- oder Ahnenfest bezeichnet. Das Leben zieht sich nun vollständig zurück und auch wir dürfen uns in den Rückzug begeben. Danach folgt die Wintersonnenwende. Ein Sonnenfest, welches auf den 21. Dezember fällt und die längste Nacht und den kürzesten Tag für uns markiert. Wir dürfen in dieser Zeit ganz in die Dunkelheit eintauchen.

Zu Imbolc oder Lichtmess spüren wir bereits, obwohl der Winter noch immer vorherrscht, dass bereits die ersten Samen unter der Erde zum Leben erwachen. Dieses Fest wird zum zunehmenden Mond im Februar gefeiert. Die darauffolgenden Frühlings-Tagundnachtgleiche läutet die helle Hälfte des Jahres ein. Der Frühling steht bereits vor der Tür und die Tage werden nun wieder länger als die Nächte. Zu Beltane, welches zum Vollmond im April oder Mai gefeiert wird, geben wir uns der Lebenslust und der Fruchtbarkeit hin.

Zur Sommersonnenwende erreicht die Sonne ihren Höchsttand. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer und die Erde erblüht in voller Pracht. Das Schnitterfest zum abnehmenden Mond im August ehrt die Kornmutter – die ersten Getreideähren werden geschnitten und der Sommer geht langsam vorüber. Zur Herbst-Tagundnachgleiche beginnt nun langsam wieder die dunklere Zeit des Jahres. Wir danken Mutter Erde für ihre Gaben und genießen die letzten warmen Sonnenstahlen.

Eine wunderbare Möglichkeit, um deine Bedürfnisse noch besser kennenzulernen, sind Reflexionsfragen. Sie können dir helfen, dir noch klarer bewusst zu machen, was dir in welcher Jahreszeit guttut und was du gerade brauchst

Jahreskreis Workbook

Ich habe ein Workbook für dich zusammengestellt, das die wichtigsten Ernährungstipps, Wohlfühlrituale und Jahreskreisfeste mit Ritualtipps zusammenfasst und Reflexionsfragen zu jeder Jahreszeit beinhaltet. 

Ich wünsche dir viel Freude beim Eintauchen in den Jahreskreis und beim Entdecken deiner ureigenen Natürlichkeit. 

ZUM WEITERLESEN

  • Ayurveda for life. Dr.med.Janna Scharfenberg
  • Ritucarya. Mit Ayurveda durchs Jahr. Kerstin Rosenberg und Lea Johanning
  • Erdenfrau. Heilpflanzen, Rituale und Rezepte im Wandel der Jahreszeiten. Elisabeth Maria Mayer und Renate Fuchs-Haberl

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