Rauch & Vision – Heimische Räucherpflanzen für die Raunächte

Alle, Jahreskreis, Kräuter | 8. Dezember 2022

Es ist der 24. Dezember, später Nachmittag. Ich bin 6 Jahre alt und voller Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Die Atmosphäre ist bereits festlich, überall brennen Kerzen und es riecht nach Zimt und Tannenzweigen.

Weihnachten ist mein allerliebstes Fest im Jahreskreis. Meine Eltern nehmen sich bewusst Zeit für meine Brüder und mich, wir singen zusammen, basteln und hören Weihnachtsgeschichten.

In diesem Jahr bin ich noch ein wenig aufgeregter als sonst, denn ich darf meinen Vater beim Räuchern unseres Wohnhauses und des Firmengebäudes begleiten. Er hat mir erlaubt, das Weihwasser zu halten und mit einem kleinen Tannenzweig, Weihwasser zu versprühen.

Und so gehen wir von Zimmer zu Zimmer, mein Vater mit der Weihrauchschale in der Hand, die einen balsamischen Duft verströmt, und ich mit dem kleinen Schälchen Weihwasser. Kein Raum wird vergessen. Auch die Autos und andere Gerätschaften werden geräuchert und wir bitten den Lieben Gott um Schutz für alle Lebewesen, die in diesem Haus leben. Ich bin so stolz, meinen Vater bei dieser wichtigen Tätigkeit begleiten zu dürfen.

Von nun an gehen wir jedes Jahr gemeinsam mit Weihrauch und Weihwasser durchs Haus, bis ich selbst eine Familie gründe und diese Tradition mit meinen eigenen Kindern fortführe. So wie mein Vater schon gemeinsam mit seinem Vater räucherte und um Schutz und Segen bat.  


Räuchern in den Raunächten

12 Tage lang steht die Zeit still

Raunächte

Vielleicht kennst du auch die christliche Tradition, am 24. Dezember Haus und Hof mit Weihrauch zu räuchern.

Dieses uralte Brauchtum stammt schon aus heidnischen Zeiten, als rund um die Wintersonnenwende Schutz- und Orakelräucherungen ein wichtiger Bestandteil bäuerlichen Brauchtums waren.

Der Ausdruck Raunächte leitet sich von „Rauchnächte“ oder „Räuchernächte“ ab. Die Zeit um Weihnachten war also eine Zeit des Räucherns.

Bereits in der Vorweihnachtszeit wurden Haus und Hof geräuchert und die gesamten Raunächte über wurden Schutz-, Orakel, Segnungs- und Reinigungsräucherungen durchgeführt. Böse Geister konnten mit starkem Räucherwerk vertrieben werden, Schutz für das kommende Jahr wurde herbeigerufen und Visionen für das kommende Jahr entstanden.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wann die Raunächte beginnen und wann sie enden.

Manche sind der Ansicht, dass die Raunächte zur Wintersonnenwende am 21. Dezember beginnen und nach 12 Tagen, also dem 1. Jänner enden. Andere wiederum starten am 24. oder 25. Dezember mit den Raunächten, um sie dann 12 Tage lange zu zelebrieren.

So wie es sich für dich stimmig anfühlt, so wird es für dich passend sein.

Wichtig zu wissen ist nur, dass die Raunächte 12 Nächte andauern und jede Nacht (aber auch jeder dazugehörige Tag) dir Visionen und Symbole sendet, die für das kommende Jahr wichtig sein könnten.

So steht die erste Raunacht für den Jänner des kommenden Jahres, die 2. Raunacht für den Februar usw.

Denn die Raunächte gelten auch als Zeit zwischen den Jahren. In dieser Zeit steht alles still und die Tore zur Anderswelt sind weit geöffnet. Somit kannst du dir sicher sein, dass auch deine Intuition und dein inneres Wissen sich in diesen Nächten zeigen werden. Öffne dich für die Zeichen und Symbole die dir begegnen und sei achtsam – vielleicht kannst du dir das ein oder andere für das kommende Jahr mitnehmen.

Heimische Räucherpflanzen

Nutze die Raunächte zum Reinigen, Schützen, Orakeln und segnen

In den Raunächten wurden sowohl reinigende & schützende Räucherungen durchgeführt als auch Räucherungen, um zu Orakeln und Haus und Hof zu segnen.

So kannst du in den ersten 6 Tagen der Raunächten alles Alte loslassen und Vergangenes abschließen und in den letzten 6 Tagen visionieren und das Neue willkommen heißen.

Räuchere also in den ersten 6 Raunächten vor allem mit reinigenden und schützenden Pflanzen, während du zum Visionieren Orakelpflanzen gepaart mit einer schützenden Komponente verwendest. Die segnende Räucherung wurde vor allem zu Weihnachten (und/oder zur Wintersonnenwende) sowie zur letzten Raunacht verwendet.


Allgemeine Grundregeln zum Räuchern in den Raunächten


1. Wähle deine Räuchermethode

Wähle deine Räuchermethode so, wie sie für dich stimmig ist. Du kannst mit Räucherkohle räuchern (Achtung: starke Rauchentwicklung), eine Räuchermischung herstellen, die du direkt entzünden kannst (Adelheid Brunner hat hierzu ein tolles Buch geschrieben) oder ein Räucherstövchen verwenden. Beim Räucherstövchen ist die Rauchentwicklung am geringsten.

Wenn du reinigende und schützende Räucherungen durchführst, ist es hilfreich eine Räucherart zu wählen, deren Rauchentwicklung eher hoch ist, denn dadurch wird die reinigende Wirkung noch verstärkt.

Zum Orakeln oder auch für segnende Räucherungen ist auch das Räucherstövchen völlig ausreichend, insbesondere wenn du zu den hochsensiblen Menschen gehörst, deren Geruchssinn stark ausgeprägt ist, und zu viel Rauch oder ein zu starker Geruch für dich unangenehm sind.


2. Stelle deine Grundmischung her

Ich stelle mir gerne eine Grundmischung für meine Räucherungen her, in die ich dann jene Räucherpflanzen mische, die ich für den jeweiligen Anlass benötige.

Am einfachsten ist es also, dir zu Beginn der Raunächte einen Vorrat an der Grundmischung zu mischen, so kannst du dir jeden Tag ganz schnell eine passende Räucherung herstellen.

GRUNDREZEPTUR FÜR DEINE RÄUCHERMISCHUNG

2 Teile Fichtenharz, zerstoßen

3 Teile Salbei

1 Teil Beifuß

Beifuß

Der Beifuß wirkt reinigend und schützend. Er unterstützt bei Übergangsritualen, hilft beim Loslassen und ist vor allen Dingen eine stark magische und äußerst kraftvolle Räucherpflanze, die in keiner Mischung fehlen darf. Zum Räuchern werden die getrockneten Blätter und Blütenrispen verwendet.

Fichtenharz

Fichtenharz reinigt, schützt und schenkt Klarheit. Es wird vor allem für Schutz- und Reinigungsräucherungen verwendet und wirkt herzöffnend und wundheilend auf allen Ebenen.

Salbei

Salbei wirkt klärend, reinigend und fördert die Konzentration. Er ist eine der wichtigsten Pflanzen für Reinigungsräucherungen. Zum Räuchern werden die getrockneten Blätter verwendet.

Und so geht's

Vermische diese Grundmischung vorerst nur grob und mörsere sie dann gemeinsam mit den von dir ausgewählten Orakel-, Schutz-, Reinigungs- oder Segnungspflanzen.


3. Nimm dir Zeit für dich und lasse dich ganz auf dein Räucherritual ein

Sobald du deine Räuchermethode ausgewählt, dich für einige der unten angeführten heimischen Räucherpflanzen entschieden und mit deiner Grundmischung vermörsert hast, kannst du mit dem Räuchern beginnen.

Nimm dir für dein Räucherritual genügend Zeit und gehe im Vorfeld in dich, um dir darüber klar zu werden, was du mit deiner Räucherung bewirken möchtest:

Vielleicht möchtest du gerne etwas loslassen, das dich schon länger belastet oder du wünschst dir eine Entscheidungshilfe für das kommende Jahr.  

Gehe bewusst in dich und entzünde dein Räucherwerk mit dem tiefen Wunsch im Herzen, dass deine Räucherung ihre volle Kraft für dich und dein Anliegen entfalten darf.

Du kannst mit deinem Räucherwerk durch Haus oder Wohnung schreiten und sie reinigen oder segnen. 

Oder du bleibst an einem Platz deiner Wahl, schließt deine Augen und lässt Bilder in deinem Inneren entstehen. Schreib gern auch auf, wenn du etwas siehst, das dir wichtig erscheint.

Wenn es genug ist, lösche dein Räucherwerk in Dankbarkeit und sei gespannt, was sich in deinen Träumen noch alles zeigen wird.


Heimische Räucherpflanzen für die Raunächte

REinigung, Schutz, Orakel und Segnung

Räuchern in den Raunächten

Im Folgenden stelle ich dir reinigende, schützende und segnende Räucherpflanzen sowie Orakel-Pflanzen vor, die du in deine Grundmischung geben kannst, um diese noch kraftvoller zu machen.

Wähle dazu 1-3 Pflanzen der jeweiligen Kategorie aus, und gib ein wenig davon in deine Grundmischung.


Reinigende Räucherpflanzen für die Raunächte

Wacholder        

Schenkt innere Stabilität und Sicherheit . Der Wacholder ist wunderbar für Ahnenrituale und reinigende Räucherrituale geeignet. Er hat eine stark desinfizierende Wirkung, sorgt für Klarheit und Stärkung sowie für eine magisch-heilende Komponente.

Du kannst die Triebspitzen, das Holz, das Harz aber auch die getrockneten Beeren verwenden.

Alant

Der Alant wirkt reinigend, keimtötend und stärkend. Er ist eine große Bereicherung für Reinigungsräucherungen, aber auch für festliche Räucherungen, denn er bringt Sonnenschein ins Herz und wirkt Selbstwert stärkend.

Zum Räuchern wird vor allem die Wurzel verwendet, die du im Herbst ernten und klein geschnitten trocknen kannst. Aber auch die Blütenblätter sind eine schöne Beigabe für eine sonnige Räuchermischung, allerdings fehlt hier die reinigende Wirkung.

Eibe      

Die Eibe unterstützt dich beim Loslassen und Freigeben. Du kannst sie also vor allem in der ersten Hälfte der Raunächte nutzen, um alles Alte hinter dir zu lassen. Wenn du sie abends räucherst, darfst du dich auf nächtliche Visionen und transformierende Prozesse freuen.

Verwendet werden die getrockneten Triebspitzen. Die Eibe ist giftig – dosiere sie vorsichtig und öffne beim Räuchern die Fenster!

Beifuß, Fichtenharz und Salbei aus der Grundmischung wirken noch zusätzlich reinigend.


Schützende Räucherpflanzen für die Raunächte

Erdrauch            

Der Erdrauch ist eine starke Schutzpflanze, der man nachsagt, dass sie auch gegen Energievampire schützt. Sie erleichtert außerdem den Kontakt zur Ahnenwelt und eignet sich daher vor allem für Ahnenräucherungen und Schutzräucherungen.

Verwendet wird das gesamte getrocknete Kraut.

Engelwurz

Die Engelwurz bringt das Herz zum Leuchten und schenkt Vertrauen, denn sie ist eine kraftvolle Lichtpflanze, die einen schützenden Lichtmantel rund um dich entstehen lässt. Sie eignet sich daher vor allem für Schutzräucherungen und magische Räucherungen.

Zum Räuchern werden die getrocknete Wurzel und die getrockneten Samen verwendet.

Quendel

Der Quendel (heimischer Thymian) fördert kraftvoll deine Abwehr und Abgrenzungsfähigkeit und darf daher in keiner schützenden Räucherung fehlen. Er reinigt, stützt und stärkt dich und schenkt dir Mut für das kommende Jahr.

Verwende zum Räuchern am besten das getrocknete blühende Kraut.


Orakel-Räucherpflanzen für die Raunächte

Baldrian

Der Baldrian fördert die Intuition und das innere Auge. Er ist eine stark magische Pflanze und eignet sich zum Orakeln, denn der Baldrian hilft dabei, Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen.

Du kannst zum Räuchern sowohl die getrocknete Wurzel als auch die getrockneten Blüten verwenden.

Holunder            

Der Holunder ist ein uralter Schwellenbaum, der dich beim Finden deiner Lebensaufgabe unterstützen kann. Außerdem wirkt er schützend und heilend und eignet sich daher für Heilungsräucherungen und zum Orakeln.

Du kannst sowohl die getrockneten Blüten als auch einige getrocknete Holunderbeeren zum Räuchern verwenden.

Schafgarbe

Die Schafgarbe ist eine der besten Räucherpflanzen zum Stärken deiner Intuition. Sie unterstützt dich beim Orakeln und schenkt dir Visionen für das kommende Jahr. Eine magische Orakelpflanze, die es in sich hat.

Verwende zum Räuchern am besten die getrockneten Blüten.


Segnende Räucherpflanzen für die Raunächte

Rose

Die Rose als Pflanze der Liebe verbindet und versöhnt und schafft in deinem System eine segnende und harmonische Kraft.

Für die Räucherung kannst du getrockneten Blütenblätter von Duftrosen verwenden.

Mariengras

Dieses wohlduftende Gras öffnet dein Herz, bringt Frieden und wirkt segnend. Es fördert die Harmonie und wirkt beruhigend und entspannend.

Verwende das getrocknete Gras – wenn du magst, kannst du es auch zu Zöpfen flechten.


Fazit

Das Räuchern in den Raunächten ist eine uralte Tradition, die tief in uns verankert ist. Es ist wunderschön, sich wieder an die eigenen Wurzeln zu erinnern und Traditionen dieser Art in die Gegenwart zu holen und neu aufleben zu lassen. Die Stille der Raunächte, das tiefe Eintauchen in diese Jahreszeit und das Räuchern mit heimischen Pflanzen lässt mich jedes Jahr bewusster und klarer in das neue Jahr gehen. Eine wunderschöne Art, sich wieder mit der Natur und den eignen Wurzeln zu verbinden.

ZUM WEITERLESEN

  • Heilende Räucherrituale. Adelheid Brunner
  • Räuchern im Rhythmus des Jahreskreises. Christine Fuchs
  • Räuchern mit heimischen Kräutern. Marlis Bader

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